Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus (2022, DE)
„Ich mache meine Arbeit nur, um mit meiner Kamera und meinem Herzen vom Mut der Menschen zu berichten“ – Anja Niedringhaus
Der Film über Anja Niedringhaus ist ein Dokudrama/Biopic, das das Leben und die Arbeit der Pulitzer-Preisträgerin (1965–2014) würdigt. Er wurde von Roman Kuhn inszeniert und nutzt eine Mischung aus Spielszenen, Interviews und Archivmaterial.
Anja Niedringhaus (* 12. Oktober 1965 in Höxter, † 04. April 2014 in Banda Khel, Afghanistan) war eine deutsche Fotojournalistin, die aus etlichen Kriegsgebieten (u.A. Jugoslawien, Palästina, Afghanistan, Kuwait, Libyen und Irak) berichtete. Sie erhielt als erste deutsche Frau den Pulitzer-Preis (2005) sowie andere Auszeichnungen. 2014 wurde sie während der Berichterstattung über die Präsidentschaftswahl in Afghanistan bei einem Attentat auf Wahlhelfer und Sicherheitskräfte erschossen.
Im Film wird Anja Niedringhaus von Antje Traue (bekannt u. a. aus „Das Ende der Wahrheit“) als leidenschaftliche und todesmutige Wahrheitskämpferin mit „kämpferischer Verletzlichkeit“ verkörpert.
Die Reporterin wollte nicht die „Bäng-Bäng-Fotografin“ sein, sondern die Seele der Menschen finden, die sie fotografierte. Ihre Bilder waren nie reißerisch, sondern Dokumente des menschlichen Wahnsinns.
Gezeigt wird u.A., wie sie sich als junge Frau in Sarajewo gegen männliche Kollegen durchsetzen musste und dort vom spanischen Fotografen Sergio in die Überlebensregeln eingeführt wurde. Auch die enge Freundschaft und Arbeitsbeziehung zur AP-Chefkorrespondentin Kathy Gannon wird beleuchtet, die das Attentat von 2014 überlebte und im Film zu Wort kommt.
Der Film ist ein Dokudrama, das heißt, er wechselt zwischen Spielszene (Reenactment) und dokumentarischem Teil (Interviews und Archiv). Die Umsetzung empfinden manche Kritiker als stilistisch unentschieden oder zu „fernsehhaft“, sie erzählt jedoch die Geschichte und vermittelt (auch dank der subjektiven Kameraführung von Kuhn und der überzeugenden Leistung der Hauptdarstellerin) einen authentischen Eindruck vom Schrecken des Krieges.
Die Bedeutung der Pressefreiheit und die Notwendigkeit von Kriegsberichterstattung, um die Konsequenzen menschlichen Handelns sichtbar zu machen, werden sehr deutlich gemacht.
Niedringhaus‘ Vermächtnis liegt in ihrer Großzügigkeit, Ehrlichkeit und Durchsetzungskraft. Es ist ein Plädoyer für den Fotojournalismus. Als Andenken und Ehrung verleiht die International Women’s Media Foundation (IWMF) seit 2015 jährlich den Anja-Niedringhaus-Preis an besonders engagierte Fotoreporterinnen.